Als die erste Corvette 1953 auf der „Motorama“ im New Yorker Hotel Waldorf Astoria dem Publikum vorgestellt wurde, konnte keiner ahnen, dass dieses Fahrzeug einmal eine Ikone werden und zu den meistverkauften Sportwagen der Welt gehören würde. Ganz im Gegenteil: Der Start war holprig und nur wenige Jahre später drohte sogar das Aus für die Corvette.

Mittlerweile in der 8. Generation hat diese amerikanische Sportwagenikone unzählige Fans rund um den Globus erobert. Und genau mit dieser „Next Generation“ wagt der Automobilhersteller General Motors einen radikalen Bruch: Der Motor wandert zum ersten Mal in die Mitte des Fahrzeugs und verwandelt ihn von einem Frontmotor- in einen Mittelmotor-Sportwagen und damit in ein völlig anderes Fahrzeugkonzept.

Dabei ist die Idee für einen Mittelmotor gar nicht so neu. Genauer gesagt: Sie ist über 60 Jahre lang gereift. Im Mai 1953 fing Zora Arkus-Duntov, bis dahin erfolgreicher Rennfahrer und als technischer Berater im Automobil- und Aeronautik-Bereich tätig, beim US-amerikanischen Automobilhersteller General Motors an zu arbeiten. Auslöser dafür war die Vorstellung der ersten Corvette bei der Motorama 1953.

Das von Duntov entwickelte Konzept CERV I (Chevrolet Engineering Research Vehicle) feierte bereits 1960, also vor fast 60 Jahren, Premiere. Vier Jahre später folgte der Nachfolger CERV II: Es war als „Herausfordererkonzept“ in Sebring, Le Mans und weiteren Rennen vorgesehen und verfügte über das allererste Mittelmotor-Allrad-Antriebssystem.

Den jüngsten Versuch mit einem Mittelmotorwagen stellte das 1990er Konzept CERV III dar. Gemeinsam mit dem Automobilhersteller Lotus wurde es gebaut, um zukünftige Leistungsniveaus auszuloten. Dabei glich es eher einem Straßenfahrzeug als einem Rennwagen und war als Entwicklungsfahrzeug zur Evaluierung von Mittelmotorstrukturen konzipiert.

Trotz Leistungsvorteilen erwies sich die Umsetzung im Rahmen der Serienfertigung als problematisch und so wurden die bislang entstandenen Mittelmotor-Corvette-Modelle seinerzeit auf Konzeptstatus zurückgesetzt. Probleme mit der Motorkühlung, begrenztes Platzangebot für Passagiere und Gepäck, ein hoher Geräuschpegel sowie die Unmöglichkeit, eine Cabrio-Variante zu realisieren, waren die Hauptgründe dafür.

Dank modernster, computergestützter Konstruktionsmethoden und Visualisierungstechniken konnte die Entwicklung in den letzten Jahren vorangetrieben werden und das aktuelle Corvette-Team bei der Ausarbeitung der Architektur der neuen Chevrolet Corvette Stingray unterstützt werden. Die neue, 8. Generation der Corvette Stingray erfüllt alle erforderlichen Leistungsbenchmarks und bewahrt gleichzeitig das Erbe der Corvette.  

Der Mittelmotor war also schon seit jeher Teil der Bestimmung der Corvette. Nun zahlt sich in der neuen Chevrolet Corvette Stingray die Vision unzähliger Beteiligter aus vergangenen Zeiten aus, allen voran dem Vater der Corvette, Zora Arkus-Duntov.

Gleichzeitig bleibt das Fahrzeug den Corvette-Grundprinzipien in puncto Performance, Funktionalität und Erschwinglichkeit treu. Es kostet in der Basisversion in den USA rund 60.000 Dollar und wird voraussichtlich 2020 nach Europa kommen, erstmalig auch als Rechtslenker-Version.

Man darf gespannt bleiben, wie die Radikalkur bei den Kunden ankommt. Ich jedenfalls bin restlos begeistert.